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Auszeit vom Bauernhof bringt frische Energie

Ein paar Tage im Jahr Auszeit vom Betrieb zu nehmen, hilft allen Beteiligten, langfristig ihre Kraft und Vitalität zu erhalten – zum Wohl der Familie und auch des Betriebs.
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Wieder mal ist es soweit: Die Anzeigenadel der Tankuhr steht bereits auf Reserve und um die nächsten 100 Kilometer sicher fahren zu können, ist ein Stopp an der Tankstelle dringend erforderlich. Eigentlich selbstverständlich: wenn das Auto fahren soll, muss genügend Kraftstoff im Tank sein. Ist der Tank leer, gibt es kein Weiterkommen. Selbst die Tatsache, dass der Wagen in regelmäßigen Abständen zum Service muss, um zu funktionieren, erstaunt uns nicht.

Auch im Menschsein gibt es den Zustand, dass alle Kraft verbraucht ist. Die Energietanks sind leer, eigentlich geht nichts mehr. Gleichzeitig scheint ohne uns gar nichts zu gehen. Betrieb und Familie erfordern unsere volle Aufmerksamkeit und Tatkraft. 365 Tage im Jahr, jahrein, jahraus. Bis der Punkt erreicht ist, an dem wirklich nichts mehr geht. Ein Herzinfarkt oder Ähnliches zwingt den Menschen in die Knie und der kranke Körper zollt dem jahrelangen Kräfteraubbau Tribut. Dann ist ein längerer Spitalsaufenthalt unumgänglich. Es ist plötzlich auch erlaubt, auf Kur zu fahren oder ein kurzes Mittagsschläfchen zu halten. Muss es wirklich soweit kommen, um das natürliche Bedürfnis nach Erholung zu erfüllen?

Als Selbstständiger auf Erholung achten

Landwirtin oder Landwirt sein bedeutet für viele, der eigene Chef zu sein und selbst zu bestimmen, was wann wie gemacht wird. Doch jede Medaille hat auch eine Kehrseite. Als Selbstständiger gibt man nicht nur die Richtung vor, sondern ist meist auch verantwortlich für die tatsächliche Umsetzung der anfallenden Arbeit. Und wie heißt es so schön? Es gibt immer was zu tun! In größeren Unternehmen achten Personalabteilungen darauf, dass Mitarbeiter ihre Urlaubsansprüche konsumieren – wohl wissend, dass durch regelmäßige Erholungszeiten Gesundheit und Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter langfristig erhalten bleiben. Doch welcher bäuerliche Familienbetrieb hat einen „Personalverantwortlichen“, der darauf schaut, dass auch Pausen und Regenerationsphasen ihren Platz im Jahresplan haben?

Beruf und Privat im Familienbetrieb trennen

Ein besonderes Charakteristikum von Familienbetrieben ist, dass Privat- und Berufsleben oft dicht miteinander verwoben sind. Nicht nur, dass in Familie und Betrieb die gleichen Akteure am Tun sind. Auch räumlich greifen Privat und Betrieb teilweise nahtlos ineinander. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Abgrenzung zwischen beruflicher und privater Tätigkeit, Arbeits- und Freizeit manchmal ziemlich verwaschen ist. Gartenarbeit, Autowaschen, Einkauf und vieles mehr werden am Bauernhof häufig auch zur „Arbeit“ gezählt und in einen Topf mit den betrieblichen Arbeiten geworfen. Alleine die Einstellung dazu macht aber einen Unterschied. Bin ich nun tatsächlich ständig am Arbeiten und habe keine Freizeit? Oder kann ich es so sehen, dass gewisse Lebensbereiche zwar mit körperlicher Tätigkeit verbunden sind – diese aber mit der beruflich-betrieblichen Arbeit streng genommen nichts oder kaum was zu tun hat. Die Vernetzung von Familie und Betrieb birgt viel positives Potential, wenn es darum geht, Kräfte zu bündeln, anzupacken und Aufgaben zu erledigen. Trifft allerdings das Bedürfnis nach Erholung und Freizeit auf den Zwang, gewisse Arbeiten ohne Aufschub zu erledigen, so entsteht ein beachtliches Spannungsfeld. Jeder hat Verständnis dafür, dass bei Gewitterwarnung der Heuernte gegenüber dem Badeausflug der Vorzug gegeben wird. Problematisch wird es dann, wenn immer irgendeine Arbeit wichtiger und unaufschiebbarer erscheint, als die lang ersehnte Auszeit. Da der nicht endende Wäscheberg, dort die umfangreichen Aufzeichnungen….Und anstatt am Abend gemeinsamen eine Runde zu gehen oder ein gutes Buch zu lesen, wird weiter geschafft und getan, anstatt endlich nur mal „zu sein“.

„A Mensch möcht’ i sein…“

Es ist ein legitimer Wunsch, ein erfülltes Leben zu haben und möglichst gesund alt zu werden. Ein langes Leben kann durchaus mit einem Marathonlauf verglichen werden, in dem auch kraftraubende Herausforderungen zu bewältigen sind. Viele Menschen leben aber, als ob ihr Leben ein immerwährender Hundertmeterlauf wäre. Sie hetzen und sprinten mit voller Kraft von einem zum anderen, ohne Pausen einzuhalten und wieder aufzutanken. Solange bis Körper und Seele jeden weiteren Schritt verweigern. Will ein Marathonläufer die volle Distanz gut bewältigen, so muss er seine Kraft gut einteilen und zwischendurch an der Labstation seine Energiereserven auffüllen, um tatsächlich die Chance zu wahren, gut ans Ziel zu gelangen.

Arbeiten, um zu leben

Auch wenn Bauer und Bäuerin oft ihren Arbeitsplatz dort haben, wo andere ihren Urlaub verbringen, brauchen auch sie regelmäßige Erholungs- und Freizeiten, um ihre Gesundheit, Arbeitskraft und vor allem auch die Freude an der Arbeit zu erhalten. „Arbeiten, um zu leben“ und nicht „leben, um zu arbeiten“ sollte das Motto sein. Die Zeit, in der wir leben, ist schnelllebig und die Anforderungen an die heutigen Betriebsleiter sind hoch. Zwar ist die Arbeit körperlich weniger anstrengend als vor zwanzig Jahren, doch der Druck durch unsichere Marktbedingungen, steigende Betriebsgrößen und Aufzeichnungsanforderungen nimmt stetig zu. Ein paar Tage Auszeit helfen, die Energiereserven wieder aufzufüllen.

Auszeiten auch für Ältere

Was den Jungen gut tut, gilt auch für die Älteren. Die heutigen Bauernpensionisten haben ihr Leben oft unter Entbehrungen ganz dem Aufbau des Betriebs gewidmet. Früher als sie jung waren, bestand für viele nicht die Möglichkeit, einem Hobby nachzugehen oder ein paar Tage wegzufahren. Nun, da sie älter sind, trauen sie sich nicht mehr, etwas Neues auszuprobieren und ihren lang gehegten Wunsch zu verwirklichen. Doch mit ein wenig Mut und gutem Willen, vielleicht auch in der Gruppe mit Gleichgesinnten, bietet gerade dieser Lebensabschnitt die Chance, befreit vom Druck der Betriebsführung, noch so manches kleine Abenteuer zu erleben und den Alltag zu bereichern.

Auch kurze Auszeiten geben Kraft

Erholungszeit – dazu hat jeder von uns ein eigenes Bild im Kopf: im warmen Thermenwasser relaxen, ein Spaziergang im Wald, eine Bergwanderung, entspannt musizieren oder malen, ein paar Seiten lesen, die Füße im Wasser baumeln lassen, über den See rudern, Rad fahren, ein noch unbekanntes Fleckchen Erde neu entdecken.... Oft sind es die kleinen Freuden des Lebens, die zwischendurch Kraft geben, unseren Lebensweg weiter gehen zu können. Alleine die Vorstellung spürt sich gut an: Abstand gewinnen, der Kopf wird freier und die Gedanken können sich neu sortieren, das Herz wird leichter, durchatmen, mich und das Leben in mir wieder spüren. Neue Perspektiven tun sich auf. Für eine Zeitlang einfach nur mal Mensch sein und Freude im Herzen spüren. Und dann mit frisch gefülltem Energietank die Herausforderungen des Alltags meistern.
01.06.2012
Autor:DI Anna Eckl, Betriebsberaterin und Dipl. Lebens- und Sozialberaterin
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