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Das Gras wächst der Kuh ins Maul

Vollweidehaltung mit Kurzrasenweide ist auch für Mutterkühe eine gute Fütterungsstrategie. Durch das eiweiß- und energiereiche Futter erreichen die Kälber einen entsprechend guten Zuwachs, auch ohne Beifütterung von Kraftfutter. Davon konnten sich einige Berater der LK-Niederösterreich bei einer Exkursion nach Bayern überzeugen.
Bio-Mutterkuhhaltung  Ochsen- und Kalbinnenmast mit Angus auf Kurzrasenweide am Betrieb Sandra und Nico Raupach: Regelmäßige Wiegungen bestätigen die guten Zuwachsleistungen. © LK NÖ/Gastecker
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Bio-Mutterkuhhaltung, Ochsen- und Kalbinnenmast mit Angus auf Kurzrasenweide am Betrieb Sandra und Nico Raupach: Regelmäßige Wiegungen bestätigen die guten Zuwachsleistungen. © LK NÖ/Gastecker
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Bio-Mutterkuhhaltung, Ochsen- und Kalbinnenmast mit Angus auf Kurzrasenweide am Betrieb Sandra und Nico Raupach: Regelmäßige Wiegungen bestätigen die guten Zuwachsleistungen. © LK NÖ/Gastecker
Bio-Mutterkuhhaltung  Ochsen- und Kalbinnenmast mit Angus auf Kurzrasenweide am Betrieb Sandra und Nico Raupach: Regelmäßige Wiegungen bestätigen die guten Zuwachsleistungen. © LK NÖ/Gastecker
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Vorteile der Kurzrasenweide

Die Kurzrasenweide ist eine intensive Standweide. Dabei sollen die Kühe den täglichen Aufwuchs fressen – es wächst ihnen quasi ins Maul. Sie fressen die Gräser dann, wenn sie den höchsten Energieertrag liefern, nämlich im Zweieinhalb- bis Drei-Blattstadium. Es geht kaum Energie verloren, da die Tiere die Pflanze ernten, wenn die unteren Teile des Grases noch nicht abgestorben sind. Auf einer Kurzrasenweide sollte der Bestand daher bis zum Blattgrund grün sein. Abgestorbenes Material ist kaum zu finden. Eine Raufutterergänzung ist trotzdem nicht nötig.

Gleicher Ertrag wie auf Schnittfläche

"Im Vergleich zu einer Schnittfläche kann man auf einer Kurzrasenweide den gleichen Ertrag erreichen, weil die Verluste geringer sind“ so Siegfried Steinberger. Er betreut das Projekt "Vollweide mit Winterkalbung“ der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft Grub. Betrachtet man die Energie- und Rohproteinerträge, die durch die Nutzung zu erzielen sind, kann die Kurzrasenweide sogar einen höheren Ertrag erreichen als die Schnittnutzung. Neben Kosten für Kraftfutter spart man mit Weidehaltung auch Arbeitsstunden und Kraftstoffkosten ein. Die Ressourcen-Effizienz kann deutlich gesteigert werden.

Lebendmassezuwachs je Hektar

In der Mutterkuhhaltung sollte man als Orientierungsgröße den Lebendmassezuwachs je Hektar heranziehen. Die Wirksamkeit der Kurzrasenweide wird dadurch besonders deutlich. "Ein Zuwachs von 500 Kilogramm je Hektar Weide und Jahr mit Mutterkühen und Kälbern ist ganz ohne Kraftfutter und Zufütterung gut zu erreichen. Hält man nur Kalbinnen oder Ochsen, schafft man einen Zuwachs von 1.000 Kilogramm je Hektar und Jahr“, so Steinberger.

Nico Raupach zum Beispiel betreibt seit 2006 Vollweidehaltung von Mutterkühen auf Kurzrasenweide und ist zufrieden damit. Seine Angus-Ochsen und -Kalbinnen erreichten 2010 tägliche Zunahmen von 1.007 und 1.022 Gramm. Im Vergleich zur Koppelweide steigerte er die täglichen Zunahmen und das mit weniger Arbeitsaufwand. Nico Raupach: "Seit sieben Jahren habe ich die Weidefläche weder gemäht oder gemulcht noch gestriegelt und das viele Umtreiben bleibt mir auch erspart“. Der Betriebsleiter beobachtete eine Verbesserung der Grasnarbe, weil sich bei der Kurzrasenweide die Trittschäden verringerten.
Siegfried Steinberger vom LfL Grub betreut Betriebe bei der Umsetzung der Kurzrasenweide seit 2006. Stolz ist er unter anderem auf die Ampferreduktion die durch Beweidung erreicht werden konnte. Wo es früher enorme Probleme mit Ampfer gab  findet man ihn nach sieben Jahren Beweidung nur noch selten. © LK NÖ/Gastecker
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Siegfried Steinberger vom LfL Grub betreut Betriebe bei der Umsetzung der Kurzrasenweide seit 2006. Stolz ist er unter anderem auf die Ampferreduktion die durch Beweidung erreicht werden konnte. Wo es früher enorme Probleme mit Ampfer gab, findet man ihn nach sieben Jahren Beweidung nur noch selten. © LK NÖ/Gastecker
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Siegfried Steinberger vom LfL Grub betreut Betriebe bei der Umsetzung der Kurzrasenweide seit 2006. Stolz ist er unter anderem auf die Ampferreduktion die durch Beweidung erreicht werden konnte. Wo es früher enorme Probleme mit Ampfer gab, findet man ihn nach sieben Jahren Beweidung nur noch selten. © LK NÖ/Gastecker
Siegfried Steinberger vom LfL Grub betreut Betriebe bei der Umsetzung der Kurzrasenweide seit 2006. Stolz ist er unter anderem auf die Ampferreduktion die durch Beweidung erreicht werden konnte. Wo es früher enorme Probleme mit Ampfer gab  findet man ihn nach sieben Jahren Beweidung nur noch selten. © LK NÖ/Gastecker
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Kurzrasenweide und Unkraut

Bei Weidehaltung in Ackerbauregionen kann vor allem das Hirtentäschel vermehrt auftreten. Die Rinder fressen dieses Unkraut nur bei hohem Weidedruck und wenn man sie entsprechend früh austreibt. Auch der Hahnenfuß kann auftreten. Er ist aber meist nur ein Problem, wenn man zu spät im Frühjahr mit der Weide beginnt. Sind die Pflanzen noch entsprechend jung, fressen sie auch diese mit. Die Mariendistel kann man durch frühes Beweiden nicht regulieren. Erfahrungen der bayrischen Landwirte zeigten, dass sie Disteln durch Mähen des Stängels während der Knospe bekämpfen können. Frühes Austreiben und hoher Weidedruck bei einem durchgehend kurzen Pflanzenbestand setzen den stumpfblättrigen Ampfer unter Druck. Zusätzlich wird durch die Beweidung die Grasnarbe dichter und der Ampfer findet weniger Platz, um sich auszubreiten. Die Kurzrasenweide kann gute Erfolge bei der Unkrautregulierung erzielen.

Aufwuchshöhe

Besonders wichtig bei der Kurzrasenweide ist, dass die Weidefläche an den Tierbesatz und an die Wuchskraft des Bestandes angepasst ist. Das Gras sollte nie davonwachsen. Bei Mutterkühen ist eine Aufwuchshöhe von vier bis sechs Zentimeter anzustreben. Die Aufwuchshöhe stellt die durchschnittliche Höhe des Grasbestandes auf der Weide dar. Auch die Geilstellen werden miteinbezogen. Ideal ist eine über den Vegetationszeitraum gleiche Aufwuchshöhe. Futterzuwachs und Futterverzehr stimmen dann überein.
Am Betrieb Bauer Anita und Ernst werden Charolais mit Vollweidehaltung auf Kurzrasenweide gezüchtet. © LK NÖ/Gastecker
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Am Betrieb Bauer Anita und Ernst werden Charolais mit Vollweidehaltung auf Kurzrasenweide gezüchtet. © LK NÖ/Gastecker
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Am Betrieb Bauer Anita und Ernst werden Charolais mit Vollweidehaltung auf Kurzrasenweide gezüchtet. © LK NÖ/Gastecker
Am Betrieb Bauer Anita und Ernst werden Charolais mit Vollweidehaltung auf Kurzrasenweide gezüchtet. © LK NÖ/Gastecker
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Aufwuchs beobachten

Jakob Wallner, Bio-Mutterkuhhalter mit Direktvermarktung, misst regelmäßig die Aufwuchshöhe. Er will den richtigen Zeitpunkt nicht versäumen, an dem die Weidefläche verkleinert werden muss. Den alten Aufwuchs fressen die Tiere nicht mehr so gerne und die Nährstoffqualität des Futters sinkt.
"Wenn der Bestand auf der Fläche doch einmal zu lang wird, zäune ich einen Bereich weg und mähe das Gras. Nach zwei Tagen treibe ich die Herde wieder in die Weide. Sie fressen das abgemähte Gras ohne Probleme mit“, so der Landwirt. Nachmähen sollte man aber vermeiden.

GVE oder Weidegröße

Die Aufwuchshöhe kann man mit zwei Möglichkeiten regulieren: Durch den GVE-Besatz oder mit der Größe der Weidefläche. Droht der Bewuchs zu lang zu werden, muss man mehr Tiere auf die Fläche bringen oder einen Teil der Fläche abzäunen. Die abgezäunten Bereiche nutzt man für die Winterfuttergewinnung. Zu spät sollte man nicht mehr mähen, um einen entsprechenden Herbstaufwuchs für die Weide zu haben. Wird die Fläche zu klein, muss man Tiere wegnehmen oder mehr Fläche anbieten.

Welche Probleme lauern?

Eine Herausforderung bei der Kurzrasenweide ist das Regulieren der Aufwuchshöhe, vor allem in Frühjahren wie heuer. "Anfangs wuchs das Gras aufgrund der kalten Temperaturen und der Trockenheit relativ langsam. Regen und warme Tage ließen den Aufwuchs explodieren und man musste rasch den Rinderbestand anpassen“ so Steinberger. Im Frühjahr, wenn das Gras stark wächst, kann der Besatz bis zu acht Großvieheinheiten je Hektar betragen, abhängig von der Wüchsigkeit der Flächen. Besteht die Weide aus einer einzigen Fläche, ist das Weidemanagement entsprechend einfacher, als bei Beweidung von Teilflächen. "Wird das Gras einer Teilfläche zu lang, muss ich früh genug umtreiben. Aber auch das Gras auf den anderen Flächen darf nicht davonwachsen“, weiß Ernst Bauer. Seine Weidefläche ist in drei Teilflächen unterteilt. Er beobachtet den Aufwuchs gut und er muss schnell reagieren.

Konzept gegen Parasitendruck

Auf der Weide kann der Parasitendruck Probleme machen – jeder Betreiber muss ein entsprechendes Konzept erarbeiten. Vor allem bei feuchtem Sommer und mildem Winter ist der Parasitendruck hoch. Probleme entstehen durch Magen-Darm-Würmer und Lungenwürmer. Auf feuchten Flächen kann der Leberegel vorkommen. Steinberger empfiehlt, dreimal in der Weidesaison zu entwurmen, einmal einige Wochen nach dem Austreiben, die zweite Behandlung im Juli gegen den Leberegel und eine dritte bei Weideabtrieb. Zu berücksichtigen ist aber immer die Gefahr von Resistenzen. Kurzrasenweide kann demnach bei entsprechendem Management und regelmäßiger Beobachtung der Weideflächen und der Tiere die Effizienz und Ressourcennutzung am Mutterkuhbetrieb verbessern.

Tipps aus Bayern zur Kurzrasenweide für Mutterkühe

  • So früh wie möglich austreiben.
  • Eine Aufwuchshöhe von 4 bis 6 cm ist ideal bei Kurzrasenweiden für Mutterkühe.
  • Im Frühjahr sollte der Bestand eher kurz gehalten werden.
  • Entsprechendes Parasitenmanagement ist wichtig, um die gewünschten Tageszunahmen der Kälber zu erreichen.
  • Acht geben auf genügend Tränkestellen, um eine ausreichende Wasserversorgung zu gewährleisten.
  • Kein Zufüttern von Rau- oder Kraftfutter an Mutterkühe und Kälber (verdrängt Weidefutter)
  • Eine saisonale Abkalbung im Winter vereinfacht das Management.
  • Vorteile: Der energiereiche Weideaufwuchs wird genutzt, wenn die Kälber am meisten Milch saufen.
  • Trockenstellen kann im Herbst mit einem nährstoffarmen Grundfutter erfolgen, der Absetzknick kann durch besonders gutes Grundfutter vermieden werden.
  • Bei einer Säugedauer von zehn Monaten kann das Milchpotential der Kühe optimal ausgenutzt werden.
27.06.2012
Autor:DI Magdalena Tamtögl
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