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"Energie aus Öl treibt die Preise an!"

Sind Milchboykott und LK-Milchgipfel wirkungslos verpufft? Wer ist für die Inflation verantwortlich? Ist Bio den Konsumenten bereits zu teuer? Was ist von der Ökostromnovelle zu halten? Anlässlich der LK-Präsidentenkonferenz in Bad St. Leonhard vom 16. bis 18 Juli führten wir mit dem Präsidenten der LK Österreich, ÖR Gerhard Wlodkowski, das folgende Interview.
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"Herr Präsident, seit Anfang Juli tendiert der Bauernmilchpreis wieder nach unten. So gesehen waren der Milchboykott der IG Milch und der Milchgipfel der LK im Juni ein Flop."
Wlodkowski: "Man muss einmal deutlich sagen, dass weder Milchgipfel noch Streik dazu beitragen, dass man den Milchpreis neu festsetzen kann. Man muss zur Kenntnis nehmen, dass der Milchpreis am Markt verdient werden muss."
 
"Wenn Streiken und Verhandeln nicht fruchten, was dann?"
Wlodkowski: "Wir müssen danach trachten, dass unsere Molkereien mit ihren Strukturen, Größenordnungen und Milchprodukten in der Lage sind, die Preis-Benchmarks (= Preisvergleichswerte, Anm.) in Europa und Österreich zu zahlen. Das heißt, sind sie in der Lage dort mitzuhalten oder nicht? – Das ist das Entscheidende. Darüber hinaus entscheidet der Konsument beim Kauf unserer Produkte, ob er beim Preis mitzieht. Es wird selbstverständlich darüber diskutiert, wie man die Milchmengen in Griff bekommen kann. Aber das kann man nur auf europäischer Ebene tun, weil wir in Europa mit unserer Quote nicht bedeutend sind. Wir können nicht mit Reduktion oder anderen Dingen den Milchpreis beeinflussen. Leider sind wir massiv in der Minderheit, wenn es darum geht, die Milchquote beizubehalten."
 
"Streikende Milchbauern haben der Landwirtschaftskammer mangelnde Solidarität vorgeworfen."
Wlodkowski: "Die Präsidenten der LK haben entschieden, zu dieser letzten Keule nicht zu greifen. Streik ist immer der letzte Ausweg. Wenn in Deutschland der Preis bei der Nordmilch bei 29 Cent liegt und im übrigen Deutschland bei rund 34 Cent, weit hinter unseren Preisen also, dann versteht der Konsument nicht, dass wir in Österreich aus Solidarität mit deutschen Bauern Milch wegschütten."
 
"Um die derzeit hohen Preisschwankungen bei Agrarprodukten abzufedern, rät das Wifo den Bauern zu Termingeschäften. Der Bauer soll an die Börse?"
Wlodkowski: "Der einzelne Bauer kann das nicht machen. Größere Verarbeiter oder Genossenschaften denken selbstverständlich darüber nach, wie sie sich über Börsen absichern können. Derzeit herrscht an den Börsen ein großes Durcheinander. Somit ist das für eine solche Diskussion nicht der richtige Zeitpunkt. Der entscheidende Punkt ist: Wenn wir Produkte haben und wenn international die Nachfrage dafür steigt, dann dürfte der Milchmarkt künftig so schlecht nicht laufen."
 
"Zum ersten Mal seit vier Jahren tagt wieder die österreichische Preiskommission. Sie will feststellen, ob die heimischen Preise für Konsumenten im internationalen Vergleich gerechtfertigt sind. Was wird, was soll dabei herauskommen?"
Wlodkowski: "Die jetzige Überprüfung ist zahnlos, weil die Preiskommission gewisse Daten und Auskünfte nicht bekommt. Der Handel kann daher einfach sagen ,Wir sagen euch nicht, welche Spanne wir haben‘. Hier muss das entsprechende Gesetz geändert werden, damit das Ganze einen Sinn macht. Man muss sich genau anschauen, wie hoch jeder Wertschöpfungsanteil in der Lebensmittelkette ist. Wir sehen beim Bierpreis, dass der geringste Wertschöpfungsanteil bei der Braugerste liegt – Braugerste ist unbedeutend für die Bierpreisgestaltung. Dasselbe gilt bei Brotgetreide und der Semmel. Bei der Milch liegen wir höher, der Preisanteil liegt bei einem Drittel."
 
"Gerade den Milchpreis will die Preiskommission aber besonders unter die Lupe nehmen. Die Forderung ,Runter mit dem Preis!‘ steht im Raum."
Wlodkowski: "Es ist unzulässig, dass wir Bauern mit dem Milchpreis vor den Vorhang gezerrt werden. Eines muss ich jeden Konsumentenvertreter fragen: Ist es noch zumutbar, dass man über einen Milchpreis von 86 Cent diskutiert, wenn auf der anderen Seite ein Liter Diesel EUR 1,45 kostet? Milch ist ein Grundnahrungsmittel, der Bauer muss dafür 365 Tage im Jahr in den Kuhstall gehen."
 
"Wer oder was trägt nun Schuld an der Teuerung?"
Wlodkowski: "In erster Linie treiben Öl und Arbeitskosten bei jeder Verarbeitungsstufe die Preise in die Höhe. Das will aber niemand wahrhaben."
 
"Biobauern stehen unter besonderem Kostendruck. Die Futtergetreidepreise sind explodiert. Die Preisschere am Markt zwischen Bio und konventionell reißt dadurch enorm auf. Erste Markteinbrüche, etwa bei Eiern, sind feststellbar. Vergeht den Österreichern die Lust auf Bio?"
Wlodkowski: "Ich glaube, man wird mit den Vertretern der Biobauern in den nächsten Wochen sehr intensive Gespräche führen müssen. Wir müssen klären, wie wir mit dieser Sparte weiter umgehen. Ich glaube, dass der Konsument nach wie vor bereit ist, für hervorragende Bioqualität mehr zu bezahlen. Ich hoffe auch, dass sich das ganze ein bisschen entspannt, weil heuer die Getreideernten besser sein werden und Biogetreide billiger wird. Ich hoffe, dass wir das ganze wieder in den Griff bekommen werden."
 
"Nach wie vor werden Bauern für den Biolandbau gesucht.
Ist das unter den gegebenen Marktbedingungen
realistisch?"
Wlodkowski: "Wir haben österreichweit eine Biooffensive gestartet. Weil wir der Meinung waren, das ist der richtige Weg und die Konsumenten wollen das. Wenn jetzt aber der Plafond beim Preis im Moment erreicht ist und hier ein Konsumrückgang festzustellen ist, dann muss man die Sache neu bewerten."
 
"Die Offenlegung der Agrargelder hat den Bauern in der Öffentlichkeit Verständnis eingebracht. Hat Sie das überrascht?"
Wlodkowski: "Wir haben uns vor der Transparenzdatenbank nicht gefürchtet. Wir haben nichts zu verbergen, wir bekommen kein geschenktes Geld. Wir fordern aber berechtigt, dass auch alle anderen ihre Förderungen offenlegen sollen. Die Schwierigkeit ist, dass viele Leistungen, die im Internet stehen, nicht das widerspiegeln, was an Vorleistungen notwendig ist. Im Umweltprogramm ÖPUL haben die Bauern für ihr Geld einen hohen Aufwand."
 
"Die Ökostromnovelle ist von SPÖ und ÖVP abgenickt worden. Zufrieden?"
Wlodkowski: "Fürs Erste sind wir zufrieden. Damit ist sichergestellt, dass die Anlagen, die derzeit in Betrieb sind, abgesichert sind. Das hängt aber stark von den Einspeistarifen ab. Aufgrund der steigenden Gas- und Ölpreise müssen wir uns sicher noch einmal zusammensetzen. Eine Weiterentwicklung sollte möglich sein."
 
"Laut Umfragen ist die EU-Stimmung in Österreich im Keller. Warum sollte sie unter der Bauernschaft besser sein?"
Wlodkowski: "Leider ist die Zustimmung zur EU sehr schlecht, weil auch die Politik die Richtung geht, alle Probleme auf Brüssel zu schieben. Auch durch die Kampagne der Kronenzeitung zum EU-Vertrag hat die Stimmung in eine Richtung gedreht, die nicht sinnvoll ist. Seitens der Bauernschaft wird jede überbordende Kontrolle bei Cross Compliance oder jede strenge Vorschrift wie die Anlage von Blühstreifen der EU zugerechnet. Das deckt die positiven Seiten der EU zu. Die EU bietet mit ihren Programmen viele positive Möglichkeiten. So können wir mit viel EU-Geld im Berggebiet Strukturen und Bewirtschaftung aufrechterhalten."
 
"Gerade Bergbauern klagen über die Vorschriften zur Steilmahd. Hat Wien in den Verhandlungen zum ÖPUL 07 klein beigegeben?"
Wlodkowski: "Wir haben zur Kenntnis nehmen müssen, dass wir gegenüber Deutschland Maßnahmen durchgedrückt haben, wofür die Deutschen kein Geld bekommen. Die Steilmahdflächen 1 haben die Bayern nicht. Aber sie ist eine freiwillige Maßnahme, es muss niemand daran teilnehmen."
Links zum Thema
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24.07.2008
Autor:Interview: Christoph Gruber, LK-Kärnten
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