Erntepressefahrt nach Parndorf (Bgld.): v.l.n.r. LK Burgenland-Präsident Franz Hautzinger, LKÖ-Präsident Gerhard Wlodkowski, Ernst Gauhs (RWA), LK Wien-Präsident Franz Windisch und LKR Otto Auer (NÖ). © LK Österreich/Michal |
„Die Unwetter und Überschwemmungen der letzten Wochen erinnern ein weiteres Mal an die Tatsache, dass der Ernteertrag zu 80 Prozent vom Wetter abhängig ist. So wird auch die hohe Verantwortung deutlich, die die Landwirtschaft bei der Sicherung unserer Ernährung hat. Dieser Aufgabe können aber die Bäuerinnen und Bauern sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht nur dann zur vollsten Zufriedenheit der Bevölkerung nachkommen, wenn sie, egal ob sie biologisch oder konventionell wirtschaften, die modernsten Produktionsmethoden anwenden können, die ihnen jeweils zur Verfügung stehen. Denn so wie beim Menschen kann man auch bei Tieren und Pflanzen Krankheiten oder Schädlinge nur mit Tierarznei- oder Pflanzenschutzmitteln bekämpfen. Daher verurteilen wir jede Form von unsachlicher und politisch motivierter Panikmache, die meist in einer Anlassgesetzgebung mündet und der heimischen Landwirtschaft im Endeffekt schwere Wettbewerbsnachteile beschert. Wir plädieren statt dessen dafür, gemeinsam mit Experten Lösungen zu erarbeiten, die breite Akzeptanz finden“, erklärte Gerhard Wlodkowski, Präsident der LK Österreich, im Rahmen der Erntepressefahrt der Landwirtschaftskammer und der RWA und ergänzte: „Die Aufgabe der Landwirtschaft ist und bleibt es, die Ernährung der Gesellschaft zu sichern. Das ist umso bedeutender, als die Bevölkerung weltweit um jährlich 80 Millionen Menschen zunimmt, die verfügbare Ackerfläche jedoch sinkt. Nur mit einer nachhaltigen Intensivierung und dem Einsatz moderner Agrartechnik werden wir diese Herausforderung meistern können.“
Politische Rahmenbedingungen müssen stimmen
„Wir brauchen auch entsprechende Rahmenbedingungen, um unsere Aufgaben im Dienste der Gesellschaft erfüllen zu können. Wir erwarten uns von der künftigen EU-Agrarpolitik, dass sie eine nachhaltig orientierte Markt-Landwirtschaft möglich macht. Dazu müssen im Verhandlungs-Endspurt noch ein paar offene Fragen geklärt werden. So geht es um die Anerkennung der Umweltleistungen der heimischen Landwirtschaft für die ‚greening’-Auflagen, die noch immer offen ist. Außerdem wollen wir keine weiteren so genannten Flexibilitäten beim Budget, weil diese zusätzlich zu den ohnehin vorgesehenen Kürzungen noch weitere Budget-Reduktionen bedeuten würden. Ein Mehr an Auflagen und ein Minus an Ausgleichszahlungen ist jedoch ein Widerspruch. Die Bäuerinnen und Bauern haben das Recht auf planbare Bedingungen und einen kalkulierbaren Finanzrahmen. Ich appelliere an die Politik, hier rasch zu vertretbaren Lösungen zu kommen“, so Wlodkowski.
Schäden in der Landwirtschaft: Hagel
Im langjährigen Schnitt tritt der erste schwere Hagel nie vor Ende Mai auf. Heuer war dies vergleichsweise früh, nämlich schon am 4. Mai. Betroffen waren im südlichen Niederösterreich die Bucklige Welt mit bis zu 2 cm großen Hagelkörnern, das „Blaufränkischland“ im Mittelburgenland mit teilweise enormen Triebabschlägen bei Wein und der östliche Teil der Steiermark mit Schäden im Grünland. Die betroffene landwirtschaftliche Fläche betrug rund 1.500 Hektar, mit einem Gesamtschaden in der Höhe von 700.000 Euro.
Am Pfingstwochenende verursachten Hagelunwetter erhebliche Schäden in den Bundesländern Steiermark (Erdbeeren, Wintergetreide, Wein, Kern- und Steinobst), Burgenland (Wein, Obst, Gemüse, Getreide) und Salzburg (Gemüse, Erdbeeren, Grünland). Der Gesamtschaden hat auf 2.500 Hektar landwirtschaftlicher Fläche insgesamt 3 Millionen Euro betragen.
Zudem wurde die Landwirtschaft in Niederösterreich von Hagelunwettern am 9./10. Juni zum Teil erheblich getroffen. Im Raum Langenlois und Schönberg am Kamp entstanden am 9. Juni Schäden an rund 600 Hektar Weinkulturen. Tags darauf verursachte ein erneuter Hagelschlag in den Bezirken Gänserndorf und Korneuburg Schäden an Acker-, Wein- und Gemüsekulturen. Das Schadensausmaß an diesen beiden Tagen beträgt knapp 2 Millionen Euro auf insgesamt 3.000 Hektar Agrarfläche.
Schäden in der Landwirtschaft: Hochwasser
Auch das jüngste Jahrhunderthochwasser hat großflächig Schäden im Grünland, bei Acker- und Gemüsekulturen sowie Glashäusern verursacht. Der Gesamtschaden in der Landwirtschaft beträgt nach Erhebungen durch die Sachverständigen der Österreichischen Hagelversicherung rund 20 Millionen Euro, auf insgesamt ca. 22.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Nicht inkludiert in dieser Schadenssumme sind die Kosten für Folgeschäden, Aufräumarbeiten und Gebäudeschäden an Bauernhöfen.
„Das Ausmaß dieser Zerstörung durch die Schadensereignisse zeigt, wie wichtig betriebliches Risikomanagement ist, das von der Österreichischen Hagelversicherung angeboten wird“, ergänzte Wlodkowski.
Schultes: Risikoversicherung in EU weiterentwickeln
„Ob die Ernte einen Wert hat, hängt von Preis und Ertrag ab. Beides ist riskant. Mit der neuen Agrarpolitik der EU wird die Betriebsprämie als Risikopuffer abgebaut. Neue Instrumente müssen eingeführt werden. Ernten und Preisschwankungen mit europaweiten Auswirkungen können uns wieder in schwierige Lagen bringen. Wir brauchen daher eine weiterentwickelte Risikoversicherung nach amerikanischem Muster der Ernteversicherung, mit Absicherung des Rückversicherungsrisikos durch die europäische Solidarität. Das kann den Bauern auch unter Bedingungen des Klimawandels kalkulierbarere Verhältnisse schaffen und eine nach-haltige Landwirtschaft dauerhaft absichern“, erklärte Hermann Schultes, Präsident der LK Niederösterreich.
Hautzinger: Produzierende Landwirtschaft mit ökologischer Verantwortung
„Das Burgenland blieb bisher von größeren Hochwasserschäden verschont und es ist zu hoffen, dass es auch so bleibt. Obwohl wir einen extrem langen Winter hatten, zeichnet sich heuer, nach der regional sehr schlechten Ernte 2012, eine bessere Getreideernte ab, die bei einem optimalen Wetterverlauf bis zur Ernte auch gute Qualitäten erbringen sollte. Natürlich blicken wir jetzt mit Spannung auf die Getreidemärkte. Wir kennen ja das Spiel auf den inter-nationalen Märkten, da wird jedes Signal sofort aufgenommen. So hört man mittlerweile, dass sich die Aussaat von Mais in Amerika verzögert hat und auf der anderen Seite gibt es schon Berichte, wonach sich die Märkte bereits auf die Folgen der Flutkatastrophe in Mitteleuropa und in Deutschland einstellen“, so der Präsident der Burgenländischen Landwirtschaft, Franz Stefan Hautzinger.
Hautzinger: „Die steigende Nachfrage nach Lebensmitteln in China, Indien und anderen Schwellenländern wird die Preise am Weltmarkt weiter in die Höhe treiben. Zudem hat sich der weltweite Fleischkonsum in den vergangenen 60 Jahren verdoppelt und wird sich laut Schätzungen bis zum Jahr 2050 nochmals verdoppeln. Die Politik muss daher, im Interesse der Menschen in unserem Land, unterstützend mitwirken, damit die heimische Landwirtschaft definitiv eine ‚produzierende Landwirtschaft’ bleibt, weil nur eine solche in der Lage ist, die Gesellschaft sicher mit hochqualitativen und leistbaren Lebensmitteln zu versorgen. Wet-terkapriolen, tierische und pflanzliche Schädlinge sowie Pflanzenkrankheiten sind während des ganzen Jahres die ständigen Wegbeleiter der Bauern und machen ihnen häufig die Arbeit schwer. Eine auf Produktion ausgerichtete Landwirtschaft hat selbstverständlich auch eine große ökologische Verantwortung wahrzunehmen. Wir müssen aber die Kirche im Dorf lassen. Ohne Pflanzenschutzmaßnahmen wird die Landwirtschaft in Österreich sicher nicht in der Lage sein, ihrer Verantwortung als Produzent ausreichender Lebensmitteln gerecht zu werden“.
„Die Politiker auf EU-Ebene und in Österreich sind daher aufgerufen, den Budgetrahmen für die Gemeinsame Agrarpolitik 2014 bis 2020 so aufzustellen, dass der Bauernschaft eine nachhaltige wirtschaftliche Planbarkeit geebnet wird. Zur Bauernschaft zähle ich alle, Klein- und Mittelbetriebe aber auch Betriebe, die größere Flächen in Bewirtschaftung haben. Gerade im Burgenland sind viele Klein- und Mittelbetriebe durch Zupachtungen zu ‚größeren Ein-heiten’ geworden. Eine optimal tätige, flächendeckende Landwirtschaft bedarf aller Betriebsformen- und Betriebsgrößen“, so Hautzinger abschließend.
Windisch: Lebensmittel-Autarkie ist keine Selbstverständlichkeit
Für die Wiener Ackerbauern, die auf über 2.100 ha Getreide und auf weiteren knapp 800 ha andere Feldfrüchte anbauen, ist das Wirtschaftsjahr bislang ohne gröbere Zwischenfälle ver-laufen. Von Hochwasser und Hagel verschont geblieben, sei heuer eine „recht gute Ernte“ zu erwarten, so der Präsident der Landwirtschaftskammer, Ing. Franz Windisch, nicht ohne einzuschränken, „aber nur, wenn wir sie sicher nach Hause bekommen“.Die Prognosen seien bis dato „viel besser“ als im statistisch schlechten Erntejahr 2012, die Witterung bleibe bis zum letzten Tag jedoch ein großer Unsicherheitsfaktor. Aufgrund der häufigen Niederschläge sei auch ein erhöhter Pilzdruck beim Getreide nicht auszuschließen.
Bezüglich der Qualität will sich Windisch nicht festlegen. Er verweist auf das „Gesetz des Minimums“. Geringe Niederschläge wie 2012 haben die Erntemenge deutlich gesenkt, der dieses Jahr mögliche Stickstoffmangel aufgrund der üppigen Bestände, könnte demnach Auswirkungen auf die Getreidequalitäten haben. „Es ist nicht auszuschließen, dass im Qualitätsanbaugebiet Ostösterreich heuer mehr Mahlweizenqualität geerntet wird“, so der LK-Präsident.
Gauhs: Gute Ernteaussichten, aber hoher Krankheitsdruck
„Die Ernte wird nach derzeitigen Prognosen in den größten Teilen Österreichs positiv ausfallen. Dennoch muss man darauf hinweisen, dass die Bauern in den Hochwasser-Regionen mit zerstörten Feldern und Ernteausfällen sowie im übrigen Produktionsgebiet mit hohem Krankheitsdruck aufgrund der überdurchschnittlichen Feuchtigkeit konfrontiert sind“, so Ernst Gauhs, Bereichsleiter Landwirtschaftliche Erzeugnisse der Raiffeisen Ware Austria. „Die Ertragsausfälle in den Hochwasser-Regionen können aus heutiger Sicht durch die gute Ernte in den anderen Regionen überkompensiert werden. Wenn die weiteren Witterungsbedingungen stimmen, ist es möglich, dass die österreichweite Erntemenge heuer jene des Rekord-Jahres 2011 erreicht.“
„Die globale Ernte wird aktuell ebenfalls gut bewertet und liegt den Schätzungen zufolge deutlich über dem weltweiten Verbrauch. Der Markt hat auf die guten Ernteprognosen mit sinkenden Preisen reagiert. Die Vermarktungsmöglichkeiten für österreichisches Getreide haben sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Bei Weizen, dem Hauptprodukt der Sommer-Ernte, führen hohe Erträge zu tendenziell niedrigeren Eiweißwerten. Diese Qualitä-ten bieten Absatzchancen sowohl für die Brotverarbeitung, die Mischfutter- und Ethanol-Industrie als auch für den Export. Dem hohen Krankheitsdruck begegnen die – auch im in-ternationalen Vergleich – hoch professionellen österreichischen Landwirte durch umfassen-de Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Pflanzen. Eine wichtige Rolle wird aber sicher wie-der der genauen Qualitätstrennung bei der Getreideübernahme in den Lagerhäusern zu-kommen. Die Kombination aus diesen beiden Faktoren, professionelle Landwirtschaft und Getreide-Erfassung, wird auch in diesem schwierigen Jahr den Qualitätsvorsprung des heimischen Getreides sicherstellen. Die Fachexperten der Lagerhäuser sind hierfür bestens geschult und bringen optimale Voraussetzungen mit“, so Ernst Gauhs von der RWA.
Politische Rahmenbedingungen müssen stimmen
„Wir brauchen auch entsprechende Rahmenbedingungen, um unsere Aufgaben im Dienste der Gesellschaft erfüllen zu können. Wir erwarten uns von der künftigen EU-Agrarpolitik, dass sie eine nachhaltig orientierte Markt-Landwirtschaft möglich macht. Dazu müssen im Verhandlungs-Endspurt noch ein paar offene Fragen geklärt werden. So geht es um die Anerkennung der Umweltleistungen der heimischen Landwirtschaft für die ‚greening’-Auflagen, die noch immer offen ist. Außerdem wollen wir keine weiteren so genannten Flexibilitäten beim Budget, weil diese zusätzlich zu den ohnehin vorgesehenen Kürzungen noch weitere Budget-Reduktionen bedeuten würden. Ein Mehr an Auflagen und ein Minus an Ausgleichszahlungen ist jedoch ein Widerspruch. Die Bäuerinnen und Bauern haben das Recht auf planbare Bedingungen und einen kalkulierbaren Finanzrahmen. Ich appelliere an die Politik, hier rasch zu vertretbaren Lösungen zu kommen“, so Wlodkowski.
Schäden in der Landwirtschaft: Hagel
Im langjährigen Schnitt tritt der erste schwere Hagel nie vor Ende Mai auf. Heuer war dies vergleichsweise früh, nämlich schon am 4. Mai. Betroffen waren im südlichen Niederösterreich die Bucklige Welt mit bis zu 2 cm großen Hagelkörnern, das „Blaufränkischland“ im Mittelburgenland mit teilweise enormen Triebabschlägen bei Wein und der östliche Teil der Steiermark mit Schäden im Grünland. Die betroffene landwirtschaftliche Fläche betrug rund 1.500 Hektar, mit einem Gesamtschaden in der Höhe von 700.000 Euro.
Am Pfingstwochenende verursachten Hagelunwetter erhebliche Schäden in den Bundesländern Steiermark (Erdbeeren, Wintergetreide, Wein, Kern- und Steinobst), Burgenland (Wein, Obst, Gemüse, Getreide) und Salzburg (Gemüse, Erdbeeren, Grünland). Der Gesamtschaden hat auf 2.500 Hektar landwirtschaftlicher Fläche insgesamt 3 Millionen Euro betragen.
Zudem wurde die Landwirtschaft in Niederösterreich von Hagelunwettern am 9./10. Juni zum Teil erheblich getroffen. Im Raum Langenlois und Schönberg am Kamp entstanden am 9. Juni Schäden an rund 600 Hektar Weinkulturen. Tags darauf verursachte ein erneuter Hagelschlag in den Bezirken Gänserndorf und Korneuburg Schäden an Acker-, Wein- und Gemüsekulturen. Das Schadensausmaß an diesen beiden Tagen beträgt knapp 2 Millionen Euro auf insgesamt 3.000 Hektar Agrarfläche.
Schäden in der Landwirtschaft: Hochwasser
Auch das jüngste Jahrhunderthochwasser hat großflächig Schäden im Grünland, bei Acker- und Gemüsekulturen sowie Glashäusern verursacht. Der Gesamtschaden in der Landwirtschaft beträgt nach Erhebungen durch die Sachverständigen der Österreichischen Hagelversicherung rund 20 Millionen Euro, auf insgesamt ca. 22.000 Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Nicht inkludiert in dieser Schadenssumme sind die Kosten für Folgeschäden, Aufräumarbeiten und Gebäudeschäden an Bauernhöfen.
„Das Ausmaß dieser Zerstörung durch die Schadensereignisse zeigt, wie wichtig betriebliches Risikomanagement ist, das von der Österreichischen Hagelversicherung angeboten wird“, ergänzte Wlodkowski.
Schultes: Risikoversicherung in EU weiterentwickeln
„Ob die Ernte einen Wert hat, hängt von Preis und Ertrag ab. Beides ist riskant. Mit der neuen Agrarpolitik der EU wird die Betriebsprämie als Risikopuffer abgebaut. Neue Instrumente müssen eingeführt werden. Ernten und Preisschwankungen mit europaweiten Auswirkungen können uns wieder in schwierige Lagen bringen. Wir brauchen daher eine weiterentwickelte Risikoversicherung nach amerikanischem Muster der Ernteversicherung, mit Absicherung des Rückversicherungsrisikos durch die europäische Solidarität. Das kann den Bauern auch unter Bedingungen des Klimawandels kalkulierbarere Verhältnisse schaffen und eine nach-haltige Landwirtschaft dauerhaft absichern“, erklärte Hermann Schultes, Präsident der LK Niederösterreich.
Hautzinger: Produzierende Landwirtschaft mit ökologischer Verantwortung
„Das Burgenland blieb bisher von größeren Hochwasserschäden verschont und es ist zu hoffen, dass es auch so bleibt. Obwohl wir einen extrem langen Winter hatten, zeichnet sich heuer, nach der regional sehr schlechten Ernte 2012, eine bessere Getreideernte ab, die bei einem optimalen Wetterverlauf bis zur Ernte auch gute Qualitäten erbringen sollte. Natürlich blicken wir jetzt mit Spannung auf die Getreidemärkte. Wir kennen ja das Spiel auf den inter-nationalen Märkten, da wird jedes Signal sofort aufgenommen. So hört man mittlerweile, dass sich die Aussaat von Mais in Amerika verzögert hat und auf der anderen Seite gibt es schon Berichte, wonach sich die Märkte bereits auf die Folgen der Flutkatastrophe in Mitteleuropa und in Deutschland einstellen“, so der Präsident der Burgenländischen Landwirtschaft, Franz Stefan Hautzinger.
Hautzinger: „Die steigende Nachfrage nach Lebensmitteln in China, Indien und anderen Schwellenländern wird die Preise am Weltmarkt weiter in die Höhe treiben. Zudem hat sich der weltweite Fleischkonsum in den vergangenen 60 Jahren verdoppelt und wird sich laut Schätzungen bis zum Jahr 2050 nochmals verdoppeln. Die Politik muss daher, im Interesse der Menschen in unserem Land, unterstützend mitwirken, damit die heimische Landwirtschaft definitiv eine ‚produzierende Landwirtschaft’ bleibt, weil nur eine solche in der Lage ist, die Gesellschaft sicher mit hochqualitativen und leistbaren Lebensmitteln zu versorgen. Wet-terkapriolen, tierische und pflanzliche Schädlinge sowie Pflanzenkrankheiten sind während des ganzen Jahres die ständigen Wegbeleiter der Bauern und machen ihnen häufig die Arbeit schwer. Eine auf Produktion ausgerichtete Landwirtschaft hat selbstverständlich auch eine große ökologische Verantwortung wahrzunehmen. Wir müssen aber die Kirche im Dorf lassen. Ohne Pflanzenschutzmaßnahmen wird die Landwirtschaft in Österreich sicher nicht in der Lage sein, ihrer Verantwortung als Produzent ausreichender Lebensmitteln gerecht zu werden“.
„Die Politiker auf EU-Ebene und in Österreich sind daher aufgerufen, den Budgetrahmen für die Gemeinsame Agrarpolitik 2014 bis 2020 so aufzustellen, dass der Bauernschaft eine nachhaltige wirtschaftliche Planbarkeit geebnet wird. Zur Bauernschaft zähle ich alle, Klein- und Mittelbetriebe aber auch Betriebe, die größere Flächen in Bewirtschaftung haben. Gerade im Burgenland sind viele Klein- und Mittelbetriebe durch Zupachtungen zu ‚größeren Ein-heiten’ geworden. Eine optimal tätige, flächendeckende Landwirtschaft bedarf aller Betriebsformen- und Betriebsgrößen“, so Hautzinger abschließend.
Windisch: Lebensmittel-Autarkie ist keine Selbstverständlichkeit
Für die Wiener Ackerbauern, die auf über 2.100 ha Getreide und auf weiteren knapp 800 ha andere Feldfrüchte anbauen, ist das Wirtschaftsjahr bislang ohne gröbere Zwischenfälle ver-laufen. Von Hochwasser und Hagel verschont geblieben, sei heuer eine „recht gute Ernte“ zu erwarten, so der Präsident der Landwirtschaftskammer, Ing. Franz Windisch, nicht ohne einzuschränken, „aber nur, wenn wir sie sicher nach Hause bekommen“.Die Prognosen seien bis dato „viel besser“ als im statistisch schlechten Erntejahr 2012, die Witterung bleibe bis zum letzten Tag jedoch ein großer Unsicherheitsfaktor. Aufgrund der häufigen Niederschläge sei auch ein erhöhter Pilzdruck beim Getreide nicht auszuschließen.
Bezüglich der Qualität will sich Windisch nicht festlegen. Er verweist auf das „Gesetz des Minimums“. Geringe Niederschläge wie 2012 haben die Erntemenge deutlich gesenkt, der dieses Jahr mögliche Stickstoffmangel aufgrund der üppigen Bestände, könnte demnach Auswirkungen auf die Getreidequalitäten haben. „Es ist nicht auszuschließen, dass im Qualitätsanbaugebiet Ostösterreich heuer mehr Mahlweizenqualität geerntet wird“, so der LK-Präsident.
Gauhs: Gute Ernteaussichten, aber hoher Krankheitsdruck
„Die Ernte wird nach derzeitigen Prognosen in den größten Teilen Österreichs positiv ausfallen. Dennoch muss man darauf hinweisen, dass die Bauern in den Hochwasser-Regionen mit zerstörten Feldern und Ernteausfällen sowie im übrigen Produktionsgebiet mit hohem Krankheitsdruck aufgrund der überdurchschnittlichen Feuchtigkeit konfrontiert sind“, so Ernst Gauhs, Bereichsleiter Landwirtschaftliche Erzeugnisse der Raiffeisen Ware Austria. „Die Ertragsausfälle in den Hochwasser-Regionen können aus heutiger Sicht durch die gute Ernte in den anderen Regionen überkompensiert werden. Wenn die weiteren Witterungsbedingungen stimmen, ist es möglich, dass die österreichweite Erntemenge heuer jene des Rekord-Jahres 2011 erreicht.“
„Die globale Ernte wird aktuell ebenfalls gut bewertet und liegt den Schätzungen zufolge deutlich über dem weltweiten Verbrauch. Der Markt hat auf die guten Ernteprognosen mit sinkenden Preisen reagiert. Die Vermarktungsmöglichkeiten für österreichisches Getreide haben sich in den letzten Jahren sehr positiv entwickelt. Bei Weizen, dem Hauptprodukt der Sommer-Ernte, führen hohe Erträge zu tendenziell niedrigeren Eiweißwerten. Diese Qualitä-ten bieten Absatzchancen sowohl für die Brotverarbeitung, die Mischfutter- und Ethanol-Industrie als auch für den Export. Dem hohen Krankheitsdruck begegnen die – auch im in-ternationalen Vergleich – hoch professionellen österreichischen Landwirte durch umfassen-de Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Pflanzen. Eine wichtige Rolle wird aber sicher wie-der der genauen Qualitätstrennung bei der Getreideübernahme in den Lagerhäusern zu-kommen. Die Kombination aus diesen beiden Faktoren, professionelle Landwirtschaft und Getreide-Erfassung, wird auch in diesem schwierigen Jahr den Qualitätsvorsprung des heimischen Getreides sicherstellen. Die Fachexperten der Lagerhäuser sind hierfür bestens geschult und bringen optimale Voraussetzungen mit“, so Ernst Gauhs von der RWA.

