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Schweine wollen nicht nur fressen, sondern auch trinken

Wasser hat eine Anzahl wichtiger physiologischer Funktionen im Körper zu erfüllen. Da Schweinen die Fähigkeit zur Schweißabsonderung weitgehend fehlt, wird durch das Ausatmen von Wasserdampf überschüssige Wärme aus dem Körper abgeführt.
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Wasser transportiert die Nährstoffe in die Zellen und die Stoffwechselprodukte aus den Zellen. Durch den Wasserdruck in den Zellen wird die Körperform gewährleistet und durch Wasser werden viele chemische Reaktionen im Körper erst möglich. Weiters ist Wasser der Hauptbestandteil von Körperflüssigkeiten.

Vielfach werden in der heutigen Schweinefütterung komplizierte Rationen mit vielen Zusatzstoffen gerechnet und die so wichtige Wasserversorgung außer Acht gelassen. Grundsätzlich muss Wasser für Schweine Trinkwasserqualität aufweisen. Außerdem müssen funktionierende Tränkesysteme vorhanden sein, die eine mengenmässig angepasste und einwandfrei hygienische Wasserversorgung möglich machen. Tränkesysteme sind auch laufend zu überprüfen, ob sie noch funktionieren. Eine schlechte Wasserversorgung ist oft der Auslöser von Störungen im Stoffwechsel und in Folge auch von Krankheiten.

Der Wasserbedarf bei Schweinen ist abhängig von Alter, Gewicht, Leistungsniveau (Laktation, Trächtigkeit), Umgebungstemperatur und Futterzusammensetzung.
Eine grobe Faustzahl von drei Liter Wasser pro kg Futter kann zur Bedarfsabschätzung herangezogen werden, dabei ist jedoch zu bedenken, dass sich bei einer Temperaturerhöhung von 20 °C auf 30 °C der Wasserbedarf verdoppelt.

Wie nun der Wasserbedarf bei den einzelnen Tierkategorien aussieht, sehen Sie nachfolgend.

Saugferkel

Die häufige Annahme, dass Saugferkel ihren Wasserbedarf zur Gänze aus der Muttermilch, die zu 80 % aus Wasser besteht, decken könnten, ist nicht richtig. Saugferkel brauchen in den ersten Lebenstagen bereits zusätzlich Wasser. Gerade in modernen klimatisierten Abferkelstallungen mit höheren Raumtemperaturen (21 bis 23 °C) ist der Feuchtigkeitsverlust der Ferkel höher. Bei Raumtemperaturen um 28 °C ist die Wasseraufnahme im Vergleich zu 20 °C Raumtemperatur viermal so hoch. Es ist also notwendig, den Ferkeln bereits am ersten Lebenstag zusätzlich Trinkwasser anzubieten, um eine Austrocknung mit entsprechender Leistungsdepression (Kümmern, Durchfälle) der Tiere vorzubeugen.

Eine tiergerechte Wasserversorgung in den ersten Lebenstagen ist nur mit Trinkwasserschalen, flachen Tassen, Putentränkern oder niedrigen Schalentränkern möglich. Durch Zusatz von Zitronensäure oder Elektrolyten zum Trinkwasser in den ersten Lebenstagen kann die Wasseraufnahme im Sinne einer effizienten Durchfallprophylaxe noch gesteigert werden. Abferkelbuchten, die nur mit Nippeltränken ausgestattet sind, müssen für die Versorgung in den ersten Tagen zusätzlich mit einer Beckentränke ausgestattet werden, wenn die Tiere das Wasser sofort finden sollen. Dazu bieten sich Kombitränken an.

Die Schalen dürfen nicht in Buchtenecken, die als Kotstellen dienen, montiert werden, um der Verkotung vorzubeugen. Als günstigster Montageort erscheint der Übergang vom mittleren auf das hintere Drittel der Abferkelbucht mit der Beckenoberkante max. 5 cm über den Ferkelrost.
 
Tränkeschalen sind immer vor der Geburt zu reinigen und mit Wasser zu füllen. Finden Ferkel kein frisches Wasser vor, so versuchen sie ihren zusätzlichen Flüssigkeitsbedarf aus verschmutzten Quellen (Harnpfützen) zu decken. Dies kann oft Frühdurchfälle hervorrufen. Der Wasserdruck darf bei kleinen Ferkeln nicht über zwei Bar sein, da sonst Nippel zu stark dichten und so von den Tieren nicht bedient werden können oder durch den hohen Druck bespritzt und erschreckt werden und in Folge den Tränker meiden. Die Durchflussrate des Tränkers sollte bei Saugferkeln 0,5 Liter pro Minute nicht überschreiten.

Das Beifüttern bei Saugferkeln, mit dem bereits in der ersten Lebenswoche begonnen werden sollte, kann auch nur funktionieren, wenn genügend frisches Wasser zur Verfügung steht. Ohne Wasser können Ferkel nicht fressen.

Absetzferkel

Die Wasseraufnahme von Absetzferkeln ist stark abhängig von der Futteraufnahme. Als Faustzahl kann bei Absetzferkeln mit einem Liter Wasser pro 10 kg Körpergewicht gerechnet werden. Das heißt also, ein abgesetzter Wurf muss in den ersten Tagen mindestens zehn bis zwölf Liter Trinkwasser aufnehmen können. Soll ein Ferkel später 1 kg Futter fressen, braucht es drei bis vier Liter Wasser.

Grundsätzlich werden in der Aufzucht Nippeltränken oder Beckentränken eingesetzt. Dabei ist in den ersten Tagen nach dem Absetzen der Beckentränke klar der Vorzug zu geben. Die Montagehöhe der Beckentränke ist 10 bis 15 cm vom Boden, gemessen an der Beckenvorderkante. Im Aufzuchtbereich muss eine Tränke für zehn Ferkel vorhanden sein, mit einem Mindestdurchfluss von 0,5 Liter pro Minute.
 
Ferkel, die bereits neben der Muttersau Probleme mit der Wasserversorgung haben, stellen nach dem Absetzen auch im Ferkelaufzuchtstall besondere Ansprüche an die Tränkeeinrichtungen. Wenn solche Tiere mit den Nippeltränken nicht klarkommen, müssen kurzzeitig Putentränken oder Tränkeschalen in die Bucht gestellt werden. Die Wassertemperatur soll 20 °C nicht unterschreiten. Beim Einsatz von Breifutterautomaten ist zusätzlich mindestens eine Tränkestelle für 20 Ferkel vorzusehen, da es bei Breifutterautomaten vorkommen kann, dass die Wassernäpfe mit Futter vollgefüllt werden und die Ferkel zu wenig Wasser aufnehmen können. Dadurch kann es auch noch bei älteren Absetzferkeln mit sieben bis neun Wochen zu schweren Darmentzündungen kommen, die rasch zu Ausfällen führen.

Mastschweine

Bei Mastschweinen muss Wasser auch in Breifutter- oder Flüssigfütterungssystemen zur freien Aufnahme angeboten werden. Der freie Zugang zu Trinkwasser ist nicht nur von immenser ernährungsphysiologischer Bedeutung, sondern ist auch tierschutzrelevant. Mit Flüssigfütterungssystemen ohne zusätzliche Wasserversorgung kann die Futteraufnahme nicht erhöht werden. Um aber eine Wasservergeudung durch Spielen zu vermeiden, ist neben Beschäftigungsmaterial und der richtigen Durchflussrate auch die Einbauhöhe der Tränke von entscheidender Bedeutung.
 
Grundsätzlich sollen Schweine beim Trinken den Hals 15° nach oben strecken müssen. Die Durchflussrate bei Mastschweinen soll je nach Gewichtsabschnitt zwischen 0,8 und 1,2 Liter pro Minute betragen. Bei Sattfütterung brauchen Mastschweine mindestens 2,5 Liter Wasser pro kg Futter. Wenn Mastschweine nicht ad libitum, sondern rationiert gefüttert werden, nehmen sie insgesamt mehr Wasser auf, um im Magen einen höheren Füllungsgrad zu erreichen.

Zuchtsauen

Eine ausreichende Wasserversorgung (10 Liter/100 kg Körpergewicht) ist von entscheidender Bedeutung für die Aufrechterhaltung einer guten Leistung bei Zuchtsauen. Eine beträchtliche Anzahl von Sauenkrankheiten steht im direkten Zusammenhang mit mangelhafter Wasserversorgung. Sowohl die Milchleistung als auch der Appetit nehmen bei Wassermangel ab. Durch unzureichende Wasserversorgung kann es auch zu Harnwegsinfektionen kommen, die zu plötzlichen Todesfällen bei Zuchtsauen führen können.

Eine Besonderheit stellen die Sauen um den Abferkeltermin da. Gerade in dieser Phase benötigen die Sauen viel Wasser, um Kreislaufprobleme und dem MMA-Syndrom vorzubeugen. Die Sauen sind in dieser Phase, besonders kurz nach dem Abferkeln, zu müde, um genügend frisches, sauberes Wasser aufzunehmen.
 
Deshalb gilt die Empfehlung, Sauen nach der Geburt zweimal täglich 10 Liter frisches, sauberes Wasser in den blanken Trog zu geben. Der Aufwand lohnt sich, da eine Sau im Durchschnitt zehn bis zwölf Liter Milch und "Spitzensauen" sogar bis zu 18 Liter Milch am Tag geben. Deshalb sollte die Wasseraufnahme leicht möglich sein und in späterer Folge natürlich die Durchflussmenge der Tränker eine hohe Wasseraufnahme in kurzer Zeit ermöglichen. Die zusätzliche Wasserversorgung kann durch einen eigenen Absperrhahn direkt über dem Trog oder mit einem Schlauch erfolgen.

Durchflussraten von mind. 1,5 bis 2 Liter pro Minute sollen bei Nippeltränken und vier Liter pro Minute bei Sprühnippeln vorhanden sein. Sprühnippel müssen mindestens 6 cm über dem Trogboden montiert sein.

Bei tragenden Sauen und im Deckzentrum haben sich Trogfluter (Aqualevel) am besten bewährt. Der Wasserstand sollte dabei rund 4 cm betragen.
Downloads zum Thema
  • Durchflussmengen und Montagehöhe.pdf
04.08.2011
Autor:Dipl.-Ing. Peter Santer, LK Kärnten
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